Blumenpracht im Winterschlaf für die Eröffnung der Landesgartenschau Kirchheim 2024 

Blumenzwiebel auf Gelände
150.000 Zwiebeln warten im Boden auf die Eröffnung, Foto: Kirchheim 2024 GmbH © Lea Rochus

Kurz vor Weihnachten wurden fast 150.000 Blumenzwiebeln auf dem Gelände der Bayerischen Landesgartenschau Kirchheim 2024 gepflanzt. Von Januar bis April schlafen sie tief und sollen erst nach der Frostperiode sprießen - rechtzeitig zur Eröffnung der Landesgartenschau am 15. Mai 2024 werden sie dann in allen Farben blühen!

Wer schon einmal selbst Blumenzwiebeln eingepflanzt hat, weiß, wie anstrengend das sein kann. Auf einer Landesgartenschau vervielfacht sich dieser Aufwand tausendfach, denn auch hier werden alle einzelnen Zwiebeln per Hand in den Boden gesteckt! Die Pflanzplanerin Hanne Roth ist schon seit der Bayerischen Landesgartenschau 1994 in Hof immer wieder für Gartenschauen im Einsatz. Auch für die Landesgartenschau Kirchheim 2024 hat diese erfahrene Landschaftsarchitektin aus Ingolstadt die Planung für Sommerblumen übernommen. Das gesamte Gelände soll vom 15. Mai bis zum 6. Oktober dauerhaft voller bunter Blütenpracht stehen – egal ob es dieses Frühjahr viel regnet, heißer und trockener Sommer herrscht oder ob der Herbst früher oder später kommt.

Hand greift nach Blumenzwiebeln
Blumenzwiebeln, Foto: Hanne Roth
Pflanztrupps im Einsatz
Pflanztrupps im Einsatz, Foto: Lea Rochus

Stufen-Prinzip für Blumenzwiebel

Um dieser Herausforderung zu begegnen, folgt Hanne Roth einem Stufen-Prinzip. Gemeinsam mit dem K-Team Grün aus Karlsfeld (bei München) hat sie Ende November und Anfang Dezember die Blumenzwiebeln gesetzt, um den Besuchern der Gartenschau zur Eröffnung eine Freude zu bereiten. Durch den Kältereiz können sich die Zwiebeln auf den Frühling vorbereiten und später in leuchtenden Farben blühen.
Die spätblühenden Tulpen werden zusammen mit verschiedenen Sorten von Zierlauch begleitet. Um zusätzliche Farbtupfer rund um die Eröffnung zu schaffen, wurden einjährige und zweijährige Pflanzen wie Mohn und Goldlack verwendet. Sobald die Tulpen und andere Frühlingsblumen verblüht sind, wird Hanne Roth diese durch Sommerblumen ersetzen – Sorten, die keinen Frost vertragen und daher erst nach den Eisheiligen gepflanzt werden dürfen. Da die Eisheiligen zwischen dem 11. und dem 15 Mai liegen, ist Vorsicht geboten! „Den Sommerflor noch vor der Eröffnung anzulegen wäre zu riskant“, sagt Hanne Roth, „besonders kalte Nächte könnten das Wachstum beeinträchtigen.“
Gleichzeitig ist es ihr wichtig, ressourcenschonend zu arbeiten und nur dort einen Wechsel vorzunehmen, wo er unbedingt notwendig ist. Die Pflanzungen sollen naturnah in den verschiedenen Entwicklungsstadien zusammenspielen und trotzdem zum Hingucker werden.
Hanne Roth mit Jana Antalikova
Hanne Roth (l.), Pflanzplanerin mit Jana Antalikova, Gründerin und Geschäftsführerin der K-Team Grün GmbH, Foto: Kirchheim 2024 GmbH © Sophia Schreib

Zusammen.wachsen.

Bei genauer Betrachtung ihrer umfangreichen Pläne mit den vielen farbigen Akzenten wird deutlich, dass das Pflanzkonzept äußerst detailreich gestaltet ist. In einigen Bereichen sind bis zu 2.000 Blumenzwiebeln in einer einzigen Wechselflorfläche angeordnet – und Hanne Roth hat jedem einzelnen Zwiebel eine spezifische Position zugewiesen. Um ihre Ideen zu konkretisieren, skizziert sie zunächst Farbkombinationen wie beispielsweise für ein Beet in Violett und Orange, in dem lilafarbene Irisblumen, orangefarbene Lilien und der Milchstern orange blühen sollen. Darauf aufbauend entwickelt sie schrittweise die Abfolge eines Musters: Welche Nuancen harmonieren besonders gut miteinander? Wie können unterschiedliche Wuchsformen sich abwechseln? An welchen Stellen soll Ordnung herrschen im Beet und wo darf es wirken als wäre es zufällig hingekommen? Am Ende sollen alle Elemente ineinandergreifen, um Woche für Woche die Besucherinnen und Besucher der Landesgartenschau mit neuen Farben und Blüten zu überraschen. Gleichzeitig geht es darum das Konzept „Zusammen.wachsen.“ der Landesgartenschau widerzuspiegeln sowie das lebhafte Treiben im neu entstandenen Ortspark darzustellen.

Blühbereiche und Rasen

Das Pflanzsubstrat wird bei der Landesgartenschau Kirchheim praktischerweise direkt geliefert. Während der archäologischen Voruntersuchungen im Frühjahr 2021 musste der gesamte Oberboden des zukünftigen Ortsparks entfernt werden, um sicherzustellen, dass darunter keine bedeutenden archäologischen Funde liegen. Die große Menge an Erde, die damals verschoben wurde, wurde mit Rotlage und Kies sowie gekauftem Natursand, Ziegelsplitt und Kompost zu einem effektiven Pflanzsubstrat gemischt. Dieses Substrat ist nun in großen Mengen verfügbar.
Zusätzlich zu den vielen Blühbereichen und über 25.000 Quadratmetern Wiesen im Park wurden im Herbst auf weiteren knapp 14.000 Quadratmetern Rasen ausgesät. Ab dem Frühjahr wird dieser grüne Ruhebereiche bieten: zum Sitzen, Entspannen – und zum Betrachten von Blumen.

150.000 Blumenzwiebeln – so setzt sich die Zahl zusammen:
Etwa 70.000 Zwiebeln wurden in den dauerhaften Bereichen des Ortsparks gepflanzt. Knapp 80.000 Zwiebeln wurden in den temporären Wechselflorflächen eingegraben, wo sie während der gesamten Landesgartenschau blühen werden und von allen Besuchern bewundert werden können.

Weiteren Infos: kirchheim2024.de

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